Haus der Museen

Aufgabe:Studie
Zeitraum:Februar - Juli 2017
Standort:Oldenburg
Verfasser:Geronimo Bujny

 

 

Aus einem wenig genutzten und dem Verfall verschriebenen Nutzgebäude soll ein neues Zentrum für Museumsarbeit(en), Kreativität und Kultur entstehen. Zurzeit steht auf dem Grundstück hinter dem Gebäude der Huntestraße 1 eine alte Remise, umgeben von Parkplätzen. Ihr Standort inmitten der Gebäude prominenter Oldenburger Museen (Prinzenpalais, Augusteum, Schloss), anderer Kultureller Einrichtungen (Cadillac Jugendkulturzentrum, Schlossgarten, Oldenburger Kunstverein OKV) und in fußläufiger Entfernung weiterer Institutionen (unter anderem Landesmuseum Natur und Mensch, Staatsarchiv/Landesarchiv Nds) prädestiniert das Grundstück für eine Nutzung als zentralen Knotenpunkt, an dem sich diese Kultureinrichtungen „treffen“: ein Zentrum für die Kulturschaffenden Oldenburgs.

Die Remise gehört historisch betrachtet als Wirtschaftsgebäude zu dem davor platzierten Prinzenpalais, welches vom Damm aus die Remise visuell verdeckt. Der Parkplatz zwischen diesen beiden Gebäuden, sowie neben und hinter der Remise war ursprünglich der „Palaisgarten“. Da das Prinzenpalais zwischenzeitlich als Sitz des Katasteramts genutzt wurde und aktuell auf dem Nachbargrundstück Am Festungsgraben die Oberfinanzdirektion Hannover lokalisiert ist, ist es wahrscheinlich bei dieser pragmatischen Funktion des Grundstücks geblieben.

Das Grundstück wird durch die umgebende Bebauung als Hintergrundstück wahrgenommen. Jedoch ist bei genauerer Betrachtung ein großes Potential zu erkennen, den Ort zu einem Knotenpunkt werden zu lassen: das Gebäude ist von allen möglichen Positionen zu sehen, ob man sich nun auf dem Damm, Am Festungsgraben, auf der Huntestraße oder dem Weidamm befindet.

Da ich die geschilderte historische wiederholte Wandlung des Ortes sichtbar werden lassen wollte, plante ich zunächst Teile des jetzigen Gebäudes der Remise zu erhalten und in meinen Neubau zu integrieren. Bei einer Besichtigung der Innenräume zeigte sich, dass dort mehrere verschiedene Bodenaufbauten inkl. Höhenunterschieden existieren, diverse bauliche Veränderungen durch verschiedene Nutzungen zustande gekommen sind und der Verfall innen wie außen um sich greift. Beim Erarbeiten der Grundrisse für diese Idee zeigten sich daraus resultierend Schwierigkeiten, die zu viele ungerechtfertigte Kompromisse einforderten, weshalb ich die Idee verwarf und einen kompletten Neubau plante.

 

Die Oldenburger Kulturszene soll Nutzerin dieses hochwertig ausgestatteten Gebäudes werden. Hiermit gemeint sind nicht nur die genannten Institutionen und Museen der näheren und weiteren Nachbarschaft, sondern auch Kreative, die momentan ohne festen Ort sind. Aktuell formiert sich eine große Gruppe dieser als die „Creative Mass“. Sie besteht aus einer Sammlung von Individuen mit kreativer Energie, die Oldenburg voranbringen wollen. Ihr angeschlossen haben sich unter anderem Veranstalter_innen und einzelne Mitarbeitende des FreiFeld Festivals, FreiGang, Theater Laboratorium, bau_werk e.V. und anderen Gruppen. Vor einigen Wochen fand eine gemeinsame Demonstration statt, um darauf aufmerksam zu machen, dass immer weniger Lokalitäten in der Stadt Oldenburg als Veranstaltungsorte zur Verfügung stehen und von der Lokalpolitik nicht gegengesteuert wird. Um diesen und ähnlichen Gruppierungen einen Ort für kreative Arbeit und neuartigen Veranstaltungen einen anpassungsfähigen Raum zu bieten, schlage ich vor, einen Verein zu gründen, der als Bewirtschafter des Gebäudes fungiert, während die Landesmuseen die Trägerschaft übernehmen. Der Verein erhält einen Atelierbereich, sowie Zugang zur Mitbenutzung der Werkstätten. Im Gegenzug fungiert der Verein als Bindeglied, bietet die Grundausstattung an Personal, ist gleichzeitig Gastgeber, Aussteller und Ansprechpartner. Dies stellt m.E. eine sinnvolle Ergänzung des vorgegebenen Raumprogramms dar, denn so kann man mit wenig Aufwand das Programm erweitern, um Kreativität in Oldenburg zu fördern.

Ferner sind die Stadt Oldenburg und das Land Niedersachsen Wirtschaftsunternehmen, die auch immer an Tourismus etc. denken müssen: es können neuartige Veranstaltungen und Ausstellungskonzepte zustande kommen, welche Publikum anziehen und die Bürger_innen wieder herauslocken. Die etablierten Veranstaltungen wie beispielsweise der Kultursommer können erweitert werden und erhalten neue Zugkraft.

Das „Haus der Muse(e)n“ bietet eine Zentralisierung der Kreativität innerhalb Oldenburgs, bezieht die Kreativszene ebenso ein wie die etablierten Museen. Beide profitieren voneinander, frischen gegenseitig ihr Image auf. Die Qualität verbessert sich durch Zusammenarbeit dieser beiden Lager. Aus Besuchersicht werden die Hemmschwelle und Berührungsangst zwischen Museum, Künstler, Publikum heruntergeschraubt. Nicht nur für Erwachsene, sondern auch für die Museumspädagogik bieten sich hier experimentelle, unmittelbare Herangehensweisen.

Beispiel für ein Ausstellungskonzept könnte sein, dass ein gemeinsames Thema gewählt wird und alle Beteiligten sich mit diesem Beschäftigen. Museen holen passende Objekte aus ihrem Archiv. Kunstschaffende bieten entsprechende Werke zum Verkauf, bieten Einblicke in ihre Ateliers, es kann Konzerte, Lesungen und Filmabende zum Thema geben, Diskussionen, Mitmachaktionen, Führungen etc. Durch die neuen „kurzen Wege“ werden derartige Programme mit Beteiligung aller Häuser/Institutionen möglich.

Mit diesen Gedanken wird aufgebaut auf der Geschichte des Prinzenpalais, die mit Peter Friedrich Ludwig als Herzog Oldenburg begann. Mit meiner Recherche gewann ich folgenden Eindruck: Er hat für Oldenburg neue Impulse gesetzt Sich selbst als Mitbürger betrachtend hat er Veränderungen angestoßen, die für die Bevölkerung gut und sinnvoll waren. So gründete er die heutige Landesbibliothek. Auch zeigte er eine gewisse Wertschätzung gegenüber öffentlicher Bauten:  sie sollten sich sinnvoll mit Inhalt füllen, das was in der Stadt gebraucht wird wollte er erkennen und mit dem Zeitgeschehen gehen. Mit dem aufkommenden Klassizismus sollte die Stadt moderner werden.

In der Familie setzte sich diese Grundeinstellung fort.  Sein Sohn Paul Friedrich August hat das Peter Friedrich Ludwigs-Hospital (heutiges Kulturzentrum PFL) bauen lassen, welches ein Krankenhaus auch für arme Leute sein sollte.Der Enkel Nikolaus Friedrich Peter hat das Augusteum als eines der ersten Museumsgebäude in Nordwestdeutschland erbauen lassen und so eine öffentliche Gemäldeausstellung, unter anderem des Kunstvereins, ermöglicht. Diese Wertschätzung der Kunst und des/der Kreativen in Oldenburg soll sich bei diesem Projekt „Haus der Muse(e)n“ wiederholen.